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am 21. August

Welterschöpfungstag 2020 drei Wochen später als im Vorjahr

Astrid Rössler - Rössler: „Kurzfristige Verringerung des ökologischen Fußabdrucks kein Ersatz für geplanten, nachhaltigen Umbau der Wirtschaft“

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir in kurzer Zeit zu beachtlichen Veränderungen bereit sind – sofern wir die Dringlichkeit erkennen“, meint Nationalratsabgeordnete Astrid Rössler, Umweltsprecherin der Grünen. „Mit derselben Dringlichkeit müssen wir der Überlastung unseres Planeten entgegenwirken. Dazu braucht es einen geplanten, tiefgreifenden Umbau unseres Wirtschaftssystems. Ziel muss sein, ein gutes, naturverträgliches Leben für alle zu ermöglichen.“

Der Welterschöpfungstag („Earth Overshoot Day“) markiert den Zeitpunkt, an dem die Menschheit die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen eines Jahres aufgebraucht hat. Mit dem 22. August fällt der weltweite Erschöpfungstag 2020 erstmals später aus als im Vorjahr – eine direkte Folge der weltweiten Quarantäne-Maßnahmen.

„Österreich hat seinen Erschöpfungstag dagegen schon am 8. April erreicht“, gibt Rössler zu bedenken. „Unsere Lebensweise verbraucht die Ressourcen von mehr als drei Planeten.“ Besonderen Handlungsbedarf sieht die Salzburgerin im Infrastruktur- und Baubereich: „In keinem anderen europäischen Land wird so viel Fläche zubetoniert wie hierzulande. Das verschlingt riesige Mengen an Ressourcen und macht unseren Lebensraum anfälliger für Naturkatastrophen.“ Über die Hälfte des Materialverbrauchs hierzulande geht auf Kosten der Bauwirtschaft. Rössler fordert nachhaltige Konzepte für die Siedlungs- und Gewerbeentwicklung ohne zusätzliche Flächenversiegelung. „Österreich ist Spitzenreiter bei der Dichte an Supermarktfilialen. Zugleich sterben die Ortskerne aus und der Leerstand bei Geschäftsflächen steigt weiter.“

Hohes Potenzial ortet Rössler zudem in der Kreislaufwirtschaft: „Eurobarometer-Umfragen zeigen den großen Wunsch der BürgerInnen nach besseren Möglichkeiten für die Reparatur und Wiederwendung von Konsumgütern. Gleichzeitig werden hierzulande aber nur 10% der Rohstoffe wiederverwendet. Diese Wegwerfwirtschaft ist nicht im Sinne der Bevölkerung und hat keine Zukunft.“

Rössler sieht hier auch positive Entwicklungen: Erst im April hat die EU-Kommission Empfehlungen zur Umstellung in Richtung Kreislaufwirtschaft veröffentlicht. „Darauf müssen wir aufbauen, denn eine echte Kreislaufwirtschaft schont unsere Natur und schafft hochwertige Arbeitsplätze, etwa im Bereich der Reparaturleistungen.“

Mit dem für 2021 angekündigten 1-2-3 Ticket, der laufenden Überarbeitung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und dem geplanten Reparaturpaket sind erste Schritte in die richtige Richtung gesetzt. „Wir haben aber noch einen weiten Weg vor uns“ hält Rössler fest. „Ein umfangreiches Maßnahmenpaket ist notwendig, um den Erschöpfungstag auch langfristig nach hinten zu verschieben.“​