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am 30. Oktober 2012

Vier unbequeme Wahrheiten zur Atomenergie

- Selbst leidenschaftlichste AtomkraftbefürworterInnen müssen seit dem Super-GAU von Fukushima erkennen: Atomenergie ist eine tödliche Bedrohung für den ganzen Planeten. Unverbesserlichen ist die Lektüre folgender Atomenergie-Fakten ans Herz gelegt – danach reden wir weiter.

1. Uran ist nur begrenzt vorhanden

Verheerende Unfälle und das Problem der Endlagerung von radioaktivem Müll bieten immer wieder neuen Diskussionsstoff. Was dabei allerdings gerne vergessen wird: die gesamte Nuklearindustrie ist von einer einzigen, begrenzt vorhandenen Ressource abhängig: Uran. Das radioaktive Schwermetall wird in Kernkraftwerken und Kernwaffen als Energieträger genutzt. Aber: Genau wie Erdöl sind auch die Uranerz-Vorräte begrenzt. Der Abbau von Uran hat außerdem schwerwiegende und langfristige Folgen für Menschen und Umwelt, zum Beispiel durch riesige Mengen an radioaktivem Abfall, der Gewässer, Felder, Lebensmittel und selbst Atemluft verseucht. Vom anfallenden CO2 beim Uranabbau ganz zu schweigen. Uranbergbau benötigt aber auch enorm viel Wasser: Die größte Uranmine Australiens (Olympic Dam) befindet sich in einem der trockensten Gebiete des Kontinents und verbraucht 35 Millionen Liter (Trink-)Wasser pro Tag! Das entspricht dem Wasserbedarf von 216.000 Menschen in Österreich.


2. Atomkraftwerke sind unterversichert

Kleine Preisfrage: Wer zahlt bei einem GAU? Richtige Antwort: Wir! Kein Scherz: Die riesigen Kosten eines Super-GAUs müssen von der Allgemeinheit getragen werden - die Profite dagegen bekommen nicht wir. Ein Super-GAU in einem Atomkraftwerk in Deutschland verursacht geschätzte Gesundheits-, Sach- und Vermögensschäden in Höhe von 2.500 bis 5.500 Milliarden Euro. Das hat die Prognos AG 1992 in einem Gutachten für das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium errechnet. In Deutschland deckt die Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerksbetreiber nur 2,5 Milliarden Euro ab – also 0,1 Prozent des zu erwartenden Schadens. Und das ist nicht nur in Deutschland so, sondern weltweit: Alle Atomkraftwerke auf der Welt sind dramatisch unterversichert!

2,36 Euro pro KWH Atomstrom

Müssten die Betreiber ihre Anlagen adäquat gegen nukleare Katastrophenfälle absichern, würde der Preis für eine Kilowattstunde Atomstrom laut einer kürzlich erschienen Studie je nach Versicherungsmodell auf bis zu 2,36 Euro steigen. Das entspräche dem Zehnfachen des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises!

3. Atomergie ist die teuerste Energie

Was viele nicht wissen: AKW Betreiber kommen in den seltensten Fällen für anfallende Kosten auf. Weder für die volkswirtschaftlichen Kosten durch die von zahlreichen Störfällen verursachten erhöten Krebsraten und Missbildungen, noch für die hunderten Milliarden an Forschungsgeldern, die seit den 40er Jahren weltweit ausgegeben wurden.

Für die Atomenergieforschung ist seit dem 2. Weltkrieg mehr Steuergeld ausgegeben worden, als für alle anderen Energieformen zusammen! Ein Beispiel aus den USA:

Von 1948 bis 2007 sind mehr als die Hälfte (53,5%) aller öffentlichen Forschungsausgaben des Energie-Ministeriums für Nuklearenergie ausgegeben worden, während für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zusammen gerade einmal ein Fünftel der Gelder bekommen haben (10,7% und 9%). In diesem Zeitraum sind alleine vom amerikanischen Energieministerium insgesamt unfassbare 85 Milliarden Dollar Steuergeld in staatliche Nuklearenergie-Forschungsförderung geflossen.

Atomkraft ist nicht nur die gefährlichste, sie ist volkswirtschaftlich gesehen auch einer der teuersten.

4. Es gibt keine sicheren Endlager weltweit

Seit vielen Jahren kämpfen wir Grüne für ein besseres EU-Gesetz zur Endlagerung von radioaktivem Müll. In der EU gibt es bis jetzt keine allgemein gültigen Vorschriften, welche Anforderungen Atommüllendlager überhaupt erfüllen müssen. Europas Grüne kämpfen derzeit darum, dass ein zurzeit diskutiertes EU-Gesetz zur Lagerung von Atomabfällen nicht zur Freifahrt für die Atomindustrie wird.

Kann es jemals eine sichere Endlagerung für Atommüll geben?



Nein. Denn der in einem AKW anfallende, giftige und strahlende Atommüll ist für mehr als 100.000 Jahre gefährlich und muss daher an einen für alle Ewigkeit sicheren Ort gebracht werden. Dieser wurde allerdings noch nicht gefunden. Fest steht, dass es bis jetzt auf der ganzen Welt noch kein einziges Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt.

Endlager müssten mehrere 100.000 Jahre sicher sein


Eines der Grundprobleme bei der Endlagerung von stark radioaktivem Atommüll sind die für Menschen nicht beherrschbaren Zeitspannen: kein Mensch kann heute sagen, wie die politischen und geologischen Verhältnisse auf der Welt in 500, geschweige denn in Tausenden von Jahren aussehen. Ein Endlager müsste den Atommüll allerdings mehrere 100.000 Jahre sicher einschließen. Die ältesten noch bestehenden von Menschen erschaffenen Bauwerke sind „nur“ einige tausend Jahre alt – Konstruktionen, die für mehr als 100.000 Jahre funktionieren müssen, sind komplettes Neuland für die Menschheit.

"Strahlender" Müll unter freiem Himmel

Bis jetzt gibt es lediglich Zwischenlager. So steht der hoch radioaktive Müll teilweise unter freiem Himmel. Deutschland lagert Atommüll zum Beispiel in Hallen beim umstrittenen Salzstock Gorleben zwischen. In Finnland wird zwar derzeit ein Endlager ins Granitgestein gebohrt, doch auch hier ist die Gefahr eines Wassereinbruchs nicht auszuschließen. Wissenschaftler zerbrechen sich die Köpfe, wie man Menschen oder anderen Erdbewohnern in tausenden von Jahren mitteilen soll, dass an dieser Stelle hoch radioaktiver Müll vergraben ist und daher zum Beispiel keine Grabungsarbeiten vorgenommen werden sollten.