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am 4. Oktober

Sabotage, Korruption und Kostenexplosionen – Atomenergie am absteigenden Ast

Martin Litschauer - Diesjähriger World Nuclear Industry Status Report bestätigt: Wir befinden uns längst im Zeitalter der Erneuerbaren

„Während auf EU-Ebene noch darüber verhandelt wird, ob im europäischen Green Deal Atomenergie gefördert werden soll, liefert uns der diesjährige Weltnuklearbericht die Fakten für ein klares „Nein“. Atomenergie ist eindeutig ein Auslaufmodell. China ausgenommen, war die Atomstromproduktion weltweit 2020 auf dem größten Tiefstand seit 1995 und wurde in der EU von Erneuerbaren Energieträgern zum ersten Mal überholt. 2020 wurden um ganze 104 Terrawattstunden weniger Atomstrom erzeugt als 2019, das entsprich mehr als dem Stromverbrauch von ganz Österreich.  Kein Wunder: Pro Kilowattstunde kostet Atomstrom 5 mal so viel wie Strom aus Sonnen-und Windenergie. Während der französische Druckwasserreaktor in Flamanville seit 2007 gebaut wird, schießen Solar-und Windparks binnen Monaten aus dem Boden.“

13 Expert*innen aus Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Libanon/U.S., Ukraine/U.S. und GB, von renommierten  Think-Tanks wie dem Chatham House in London, oder Forschungsinstitutionen wie Harvard in Cambridge, Meiji in Tokyo, Nagasaki University, University of British Columbia und die Technische Universität in Berlin, haben an der Erstellung des über 400 Seiten starken Reports mitgearbeitet. Die diesjährige Ausgabe befasst sich neben den Trends in der Atomstromerzeugung weltweit auch mit bisher wenig beleuchteten Themen wie Betrug und Sabotage. 

Martin Litschauer dazu: „Wir glauben ja komplett naiv, dass eine derartig riskante Industrie zumindest äußerst penibel kontrolliert wird. Wie leicht sich Personen Zutritt zu sensiblen Bereichen eines AKW verschaffen können, beunruhigt mich enorm. Da die Gefahr sehr oft von den Mitarbeiter*innen selbst ausgeht, kann man sie auch schwer verhindern. Terror von außen ist aber noch einmal eine andere Liga. Viele europäische AKWs, wie zum Beispiel der slowakische Skandal-Meiler Mochovce, haben komplett veraltete Sicherheitskonzepte und verfügen über kein Containment, also eine Schutzhülle um den Reaktorkern. Stürzt eine größere Flugmaschine über ihnen an, dann gute Nacht.“

Der WNISR 2021 beleuchtet außerdem die Nähe von Atomindustrie zu Korruption und organisiertem Verbrechen. “Betrug und Korruption in der Atomindustrie kenn wir ja schon lange, da müssen wir nur über die Grenze ins slowakische AKW Mochovce schauen. Die Umweltschutzorganisation Global2000 berichtet hier von einem Korruptionsskandal nach dem nächsten und hat wiederholt fahrlässige und schwere Baumängel festgestellt. Der Nuklearbericht zeigt aber, dass Betrug und Korruption Programm in der Atomindustrie weltweit sind. Die USA etwa wurde allein im Vorjahr von drei großen Korruptionsskandalen in der Atomindustrie erschüttert.“ Kommentiert Martin Litschauer. 

Und abschließen: „Keines Falls darf Atomenergie an die Steuergelder des europäischen Green Deal kommen. Der wirtschaftliche Schaden und die gesellschaftlichen Risiken wären enorm. Mich stimmt optimistisch, dass Investoren das ohnehin schon erkannt haben. 2020 haben sie mit 300 Milliarden USD 17-mal soviel in Erneuerbare Energien investiert, als in Atomenergie.“