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am 21. April

Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln: Neue Schritte in Richtung Transparenz gesetzt

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Am 1. April 2021 haben BM Rudi Anschober und MEP Sarah Wiener in einer gemeinsamen Pressekonferenz die nächsten Schritte hin zu einer umfassenden Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln präsentiert. Das Gesundheitsministerium hat zwei Verordnungen ausgearbeitet, die nun mit dem Koalitionspartner verhandelt und anschließend der EU-Kommission zur Prüfung vorgelegt werden. Die Verordnungen sehen eine umfassende Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung und eine Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten von in Österreich produzierten und verpackten Lebensmitteln vor. EU-rechtlich ist auch die Gastronomie in der Gemeinschaftsverpflegung inbegriffen. Dadurch werden maßgebliche Schritte in Richtung Transparenz für Konsument*innen und Tierwohl gesetzt und darüber hinaus die heimische Landwirtschaft gestärkt. Die Vorteile der Herkunftskennzeichnung sind somit so vielfältig wie die in Europa produzierten Lebensmittel selbst.

Gleiche Spielregeln für Handel und Gastronomie


Rund 80 Prozent des Kalbfleisches wird außer Haus konsumiert. Dennoch gibt es in der Gastronomie keine Verpflichtungen die Herkunft des Fleisches zu deklarieren. Die mangelnde Transparenz wird somit zurecht von der heimischen Landwirtschaft und den Konsument*innen kritisiert. Die heimische Landwirtschaft beklagt unter anderem den starken Konkurrenzdruck durch Billigprodukte aus dem Ausland, während den Konsument*innen jede Möglichkeit genommen wird, auf transparenter Grundlage Entscheidungen treffen zu können. Mit den beiden Verordnungen werden nun gleiche Spielregeln für Handel und Gastronomie geschaffen, denn im Handel sind Herkunftskennzeichnungen für nicht verarbeitete Produkte bereits Gang und Gäbe. 

Was bringt die Herkunftskennzeichnung?

Konsument*innen:

Die Konsument*innen haben ein Recht darauf zu wissen was sie essen – überall! Wir wollen allen Konsument*innen die Möglichkeit geben, auf transparenter Grundlage Entscheidungen treffen zu können. Aus den Kaufverhalten in den Supermärkten, wo es bereits umfassende Kennzeichnungspflichten gibt, wissen wir, dass dort, wo es Transparenz gibt, die Konsument*innen vermehrt zu biologischen und regionalen Lebensmitteln greifen. Doch gerade beim außer-Haus Konsum, also dort wo man sich eigentlich selbst etwas Gutes tun möchte, wird ihnen diese Entscheidungsfreiheit de facto genommen. Häufig konsumiert man dadurch eine schlechtere Qualität als zuhause. Mit der Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung schließen wir diese Lücke. So wissen die Konsument*innen immer woher ihre Lebensmittel kommen und auf welche Standards, z.B. beim Tierschutz, sie sich verlassen können. 

Bauern und Bäuerinnen:

Die heimischen Bäuerinnen und Bauern leisten Großartiges für unser Land. Sie produzieren zu hohen Qualitätsstandards Produkte in bester Qualität. Oftmals gehen die heimischen Standards über die EU-weiten Mindeststandards hinaus. Dennoch, oder gerade deswegen, steht die heimische Landwirtschaft unter Druck. Sie steht in unmittelbarer Konkurrenz zu ausländischen Anbietern, die häufig mit niedrigeren Standards und daher billiger produzieren können. Bei fehlender Transparenz können die höheren Produktionsstandards nicht entsprechend honoriert werden. Die Bäuerinnen und Bauern profitieren somit durch höhere Vermarktungschancen in Gasthäusern und Kantinen, da diese natürlich den Kundenwünschen entsprechen wollen und dadurch voraussichtlich vermehrt auf heimische Produkte zurückgreifen werden.

Tiere:

Tiertransporte sind nach wie vor eines der größten Problemfelder in Fragen des Tierwohls. Durch die Herkunftskennzeichnung wird die Herkunft des Fleisches auf einen Blick ersichtlich. Transportwege werden dadurch reduziert. Darüber hinaus hat Österreich in vielen Bereichen Tierschutzstandards, welche über die Gesamteuropäischen hinausgehen (beispielsweise bei Puten). Durch die Kennzeichnungspflicht können Konsument*innen diese höheren Standards auch bewusst honorieren.

Umwelt und Klima:

Klimafreundliches Wirtschaften bedeutet regionales Wirtschaften. Die Herkunftskennzeichnung stärkt regionale und heimische Erzeuger*innen, reduziert Transportwege und schützt damit die Umwelt und das Klima. 


Mit der Herkunftskennzeichnung schaffen wir endlich gleiche Bedingungen für alle und bringen Transparenz auf die Teller. Was bei unverarbeiteten Lebensmitteln  schon lange üblich ist, wird nun also auch in der Gemeinschaftsverpflegung umgesetzt. Die Konsument*innen wollen wissen was sie essen, und sie haben auch ein Recht darauf. Damit einher gehen auch eine bessere Marktsituation für die heimischen Bäuerinnen und Bauern und eine Reduktion von Transportwegen und somit Tierleid. Nachdem es dem ÖVP Bauernbund jahrelang nicht gelungen ist, diese langjährige Forderung umzusetzen (der Wirtschaftsbund hat dies stets blockiert), wird die Herkunftskennzeichnung nun von den Grünen in der Regierung endlich auf den Weg gebracht. Nach einer internen Abstimmung mit der ÖVP können die Entwürfe nach Brüssel übermittelt werden. Minister a.D. Anschober hat die ersten Schritte gesetzt, nun sind die ÖVP und später die EU-Kommission am Zug diese auch umzusetzen.