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am 13. Juni

Neßler/Berner zum Vatertag: Echte Väter packen im Alltag an

Barbara Neßler - Bis jetzt werden nur 4,5% der Anspruchstage für Kinderbetreuungsgeld von Männern konsumiert – für eine gerechte Aufteilung der Care-Arbeit ist noch Luft nach oben.

„Der Vatertag ist Anlass, sich die Aufteilung der unbezahlten Arbeit innerhalb der Familie anzuschauen. Auch wenn viele Väter bereits mit gutem Beispiel vorangehen, ist es noch ein weiter Weg, um Ausgewogenheit und Gerechtigkeit bei Kindererziehung, Haushalts- und Care-Arbeit zu erreichen“, so Barbara Neßler, Familiensprecherin der Grünen im Nationalrat und Ursula Berner, Familiensprecherin der Wiener Grünen, zum morgigen Vatertag. Laut der aktuellsten Auswertung zur Väterbeteiligung des Familienministeriums aus dem Jahr 2020 liegt die Väterbeteiligung beim Kinderbetreuungsgeld lediglich bei 18,84 %. 

Diese Statistik verzerrt jedoch die tatsächliche Beteiligung. Der Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2020 zeigt, dass nur 4,5 % der Anspruchstage für Kindergeld von Männern konsumiert werden: „Es werden weniger als fünf Prozent der Anspruchstage von den Vätern konsumiert. Dieser seit 2009 stagnierende Wert ist auch ein klarer Auftrag an die Politik, alles daran zu setzen, um die Väterbeteiligung massiv zu steigern. Das erklärte Ziel muss hier Halbe-Halbe sein, und zwar nicht nur bei der Kinderbetreuung, sondern auch bei Haus- und Care-Arbeit“, so Neßler.

Die gerade in Auftrag gegeben Zeitverwendungsstudie wird wissenschaftlich evaluierte Aufklärung über die Verteilung von unbezahlter Arbeit unter den Geschlechtern bringen. Damit wird eine langjährige Forderung der Grünen umgesetzt: „Sich um andere zu kümmern und sie zu pflegen, das sind Tätigkeiten, die hauptsächlich Frauen erledigen. ExpertInnen schätzen, dass diese unbezahlte Arbeit bis zu 105 Milliarden Euro im Jahr oder 30 % des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Die Zeitverwendungsstudie ist deshalb so wichtig, um konkret beurteilen zu können, wie ungleich die unbezahlte Arbeit in Österreich verteilt ist und konkrete politische Maßnahmen daraus abzuleiten“, begründet Neßler die Notwendigkeit der Studie, die auch von zahlreicher NGOs und ExpertInnen im Bereich der Gleichstellungspolitik gefordert wurde.

„Oft sind es auch äußere Umstände, die verhindern, dass Männer sich so ausreichend beteiligen können. Solange Frauen deutlich geringe Einkommen haben, können sich viele Familien schlicht nicht leisten, dass auch der Papa länger zu Hause beim Kleinkind bleibt. Die Miete, der Kredit und andere Fixkosten laufen ja ganz normal weiter, auch wenn ein Baby geboren wurde. Erst wenn die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern geschlossen ist, werden Familien tatsächlich die Möglichkeit haben Familienarbeit gerecht aufzuteilen“, sagt Landtagsabgeordnete Ursula Berner. 

„Wenn sich in der frühen Kindheit die Verantwortungen und Familienaufgaben einmal eingespielt haben – Frauen kümmern sich um Kinder und Alltag, Männer sind fürs Einkommen da -  ist es in vielen Familien schwierig diese Gewohnheiten zu verändern. Deshalb müssen wir politisch mehr Anreize schaffen, damit Männer nicht mehr künstlich von der Familienarbeit ferngehalten werden. Viele jungen Männer wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen: es beginnt bei einem gemeinsamen Eltern-Kind-Pass zur Vorbereitung, bei mehr Familienzimmer im Spital nach der Geburt, geht über gleichmäßig verteilte Karenzzeit und bis in die Schule, wo Lehrende nicht mehr automatisch nur die Mütter adressieren dürfen“, führt Berner weiter aus und meint auch in Bezug auf bestehende Rollenmuster: „Wir haben längst erkannt, dass eingefahrene Rollenmuster für beide Geschlechter  unbefriedigend sind. Im 21.Jahrhundert ist es an der Zeit das Bedürfnis der Männer auch ihre sensiblen, sorgenden Anteile zu leben ernst genommen wird.“ 

„Ein echter Vater packt auch im Alltag an. Sich ausgewogen an der Kindererziehung zu beteiligen ist nicht nur gerecht, sondern bietet auch viel Schönes und ist die beste Basis für eine starke Bindung zu den Kindern“, so Barbara Neßler und Ursula Berner abschließend.