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am 2. Dezember 2020

Rössler: Mit konsequenter Raumplanung Natur und Klima schützen

Astrid Rössler - Ohne Stopp des Flächenfraßes, keine Trendumkehr bei Umweltproblemen möglich

„Unsere Lebensgrundlage zerbröselt uns im wahrsten Sinne des Wortes unter unseren Füßen“, diesen Schluss zieht Astrid Rössler, Umweltsprecherin der Grünen, aus der neuen Ausgabe der Statistik Austria-Studie „Wie geht’s Österreich?“, die materiellen Wohlstand, Lebensqualität und den Zustand der Umwelt bewertet. „Unsere hohe Lebensqualität beruht auf Ausbeutung der Natur – das ist nicht zukunftsfähig. Wir müssen hohen Lebensstandard von Naturzerstörung entkoppeln“, sagt Rössler. Besonders schlecht schneidet Österreich beim Ressourcenverbrauch, der Flächenversiegelung und beim Verkehr ab.

„Der viel zu hohe Flächenverbrauch bleibt weiterhin unsere buchstäblich größte Baustelle“, stellt Rössler fest. Eine Fläche der Größe Wiens wurde seit 2001 österreichweit zubetoniert. Rössler: „Tatsächlich ist die jahrzehntelange verfehlte Raumordnungspolitik die Wurzel vieler unserer Umweltprobleme, vom Artensterben bis hin zu steigenden Verkehrsemissionen.“ Zersiedlung führe zu hoher Flächenversiegelung, weiten Wegen und damit hohem Energie- und Ressourcenverbrauch, erklärt Rössler. Neben Versiegelung ist auch eine Verschlechterung der Bodenqualität und Erosion ein zunehmendes Problem, verursacht durch nicht-nachhaltige Bewirtschaftung.

Rössler fordert einen radikalen Wandel in der Raumordnung. „Kompakte Siedlungsentwicklung fördern, bestehende Flächen effizient nutzen und Ortskerne beleben – das muss die Devise sein.“ Rössler verweist auf das umfassende Kapitel für gesunde Böden und eine zukunftsfähige Raumordnung im Regierungsprogramm: „Flächenversiegelung und Bodenverbrauch, Artensterben, sinkende Nährstoffgehalte landwirtschaftlicher Flächen und steigende Grundwasserbelastungen stehen in engem Zusammenhang. Nur mit einer vorausschauenden Raumordnung können wir diese Herausforderungen nachhaltig bewältigen. Wir haben uns daher auf einen Zielpfad zur Reduktion des Flächenverbrauchs auf netto 2,5 ha/Tag bis 2030 geeinigt. Außerdem haben wir die Ausarbeitung einer österreichweiten Bodenschutzstrategie vereinbart. Entsprechend den Empfehlungen der Österreichischen Raumordnungskonferenz wollen wir die Orts- und Stadtkerne stärken und dadurch den Flächenverbrauch erheblich reduzieren. Der bundesweite Bodenverbrauch und die aktuellen Schadstoffbelastungen sollen durch ein Monitoring beobachtet werden. Leerstände müssen reduziert werden. Und die Baukultur soll entsprechend den Empfehlungen des dritten Baukultur-Reports, der Davos-Erklärung und den baukulturellen Leitlinien gefördert werden.“

Damit sich in dieser Hinsicht etwas bewege, müssen aber auch das für die Koordination in Angelegenheiten der Raumordnung zuständige Landwirtschaftsministerium, die Bundesländer und Gemeinden Verantwortung übernehmen, betont Rössler. Gemäß unserer Bundesverfassung sind die Kompetenzen in der Raumordnung geteilt. Während der Bund im Rahmen seiner Fachplanungskompetenzen gewisse Gestaltungsmöglichkeiten hat, liegen viele Entscheidungsmöglichkeiten bei den Gemeinden und Ländern. Nur durch einen gemeinsamen Blick auf die Raumplanung können wir bei der nicht-nachhaltigen Entwicklung beim Bodenverbrauch gegensteuern.  „Die Zeit des tatenlosen Zusehens ist vorbei“, betont Rössler.