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am 8. September

Integrationsbericht: El-Nagashi ortet dringenden Handlungsbedarf bei Chancengleichheit und Partizipation

Faika El-Nagashi - COVID-Krise als Chance für inklusive Integrationspolitik

„Wir müssen uns mit den Ergebnissen des Integrationsberichts auch selbstkritisch auseinander setzen“, kommentiert die Integrationssprecherin der Grünen, Faika El-Nagashi, den heute von Ministerin Raab präsentierten 10. Integrationsbericht. Der Bericht hält fest, dass Zugewanderte und ihre Kinder die gleichen Chancen erhalten und an zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilhaben können sollten. Dies ist aber nicht der Fall. „Nun liegt es an der Politik, hier dringend einen Kurswechsel zu vollziehen und Chancengerechtigkeit und Partizipation ins Zentrum der Integrationspolitik zu stellen“, meint El-Nagashi.

Gerade kurz vor der Wiener Gemeinderatswahl ist Mitbestimmung wieder ein wichtiges Thema. Laut Statistik Austria sind 30,1 Prozent der in Wien lebenden Personen im wahlberechtigten Alter aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft von der Wahl ausgeschlossen. Das ist ein noch nie da gewesener Anteil an Nichtwahlberechtigten in der Bundeshauptstadt. Mehr als die Hälfte davon lebt schon zehn Jahre oder länger in Wien, viele sind in Wien geboren und aufgewachsen, haben hier die Schule und ihre Ausbildung abgeschlossen.

„Der Expert*innenrat unterstreicht im aktuellen Bericht, dass Integration ein langfristiger und dauerhafter Prozess ist und nicht nur Zugewanderte betrifft, sondern auch die aufnehmende Gesellschaft. Die Politik muss hier die Voraussetzungen schaffen, damit dieser Prozess gelingen kann“, sagt El-Nagashi. Dazu zählen laut El-Nagashi der Zugang zu Integrationsmaßnahmen ab Tag eins, flächendeckende Deutschkurse besonders in ländlichen Regionen, arbeitsmarktintegrative Maßnahmen wie Praktika, Mentoringprogramme und Fortbildungen, die Anerkennung und Förderung von Mehrsprachigkeit, das Empowerment von Frauen insbesondere durch soziale Angebote von NGOs sowie die Umsetzung eines Wohnsitzwahlrechts.

Besondere Missstände zeigt der Integrationsbericht im Bereich der Bildungspolitik auf. Neben dem ExpertInnenrat des Ministeriums sei es hier ebenso wichtig, die Expertise und die Stimmen aus den verschiedenen Teilen der Zivilgesellschaft miteinzubeziehen, so die Grüne Integrationssprecherin. In diesem Zusammenhang verweist El-Nagashi auf das kürzlich erschienene Buch „Generation Haram“ der Journalistin und Lehrerin Melisa Erkurt, das wichtige Impulse für die Debatte über Integration und Bildung liefert.

„Das österreichische Bildungssystem ist nicht auf Kinder mit Migrationsbiografie und aus bildungsfernen Familien ausgerichtet, sondern orientiert sich stark an ‚autochthon österreichischen‘ Kindern und einer bildungsbürgerlichen Mittelschicht mit Kinderzimmer, Laptop, Musikunterricht und Sport außerhalb der Schule, Hilfe bei den Hausaufgaben durch die Eltern oder bezahlte Nachhilfe vor Prüfungen. Die unterschiedlichen ‚Startbedingungen‘, die hier entstehen, können auch durch einen stärkeren Fokus auf Elternarbeit, wie im Integrationsbericht angeführt, nicht gelöst werden. Vor allem führen Sanktionen und Bestrafungen der Eltern hier nicht zu einer Systemänderung“, hält El-Nagashi fest. Es braucht die grundlegende Änderung des Bildungssystems hin zu einem inklusiven und chancenreichen Modell, das Mehrsprachigkeit und Diversität wertschätzt und gleichzeitig gute Deutschkenntnisse und eine klare Haltung gegen Diskriminierung und Abwertung vermitteln kann.

Als sehr positiv unterstreicht El-Nagashi den Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements, den der Integrationsbericht für den gesellschaftlichen Zusammenhang hervorhebt: „Hier haben Zugewanderte und Geflüchtete eine lange Tradition in der Nachbarschaftshilfe und Gemeinschaftsarbeit. Davon zeugen unter anderem die vielen Ehrenamtlichen, die bereits 2015 an den Bahnhöfen und in Asylunterkünften mitgeholfen haben, Initiativen wie ‚fasten, teilen, helfen‘ der Muslimischen Jugend Österreich oder das Hilfsprojekt ‚SOS Balkanroute‘ und Vereine wie ‚Ankommen in Wien‘, ‚Start with a Friend’ und Fremde werden Freunde‘. Hier sind Förderungen bestens aufgehoben und unterstützen eine Integrationspolitik, die sich wirklich an die ganze Bevölkerung richtet.“

„Wir haben durch den Einfluss der COVID-19 Pandemie gesehen, wie die Herausforderungen im Bereich der Integration akuter geworden sind. Das ist unsere Chance für einen sofortigen Kurswechsel und eine Integrationspolitik der Chancen und der Teilhabe“, sagt El-Nagashi.