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am 7. August

Ernst-Dziedzic zum Welttag der indigenen Völker

Ewa Ernst-Dziedzic - Klimaschutz gibt es nur mit Wahrung der Menschenrechte

„Indigene Völker wissen oft besser, wie der Klimawandel gestoppt werden kann, weil sie im Einklang mit der Natur leben und als erstes verstehen, was es bedeutet, wenn ihre Lebensgrundlagen zerstört werden“, sagt Ernst-Dziedzic, Sprecherin für Außenpolitik und Menschenrechte der Grünen. Ernst-Dziedzic weiter: „Ob im Dschungel Indonesiens, in der afrikanischen Savanne oder im Regenwald Amazoniens sind indigene Völker unsere Verbündeten im Kampf gegen die Zerstörung der Natur. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn es durch den Bau von Staudämmen, die Schaffung von Viehfarmen und Plantagen oder den Bau von Straßen zur Vertreibung dieser kommt“. Die Folgen sind oft Armut und Entrechtung.

Für Ernst-Dziedzic muss der Schutz der Rechte der indigenen Völker verstärkt auf der politischen Agenda stehen. „Die Gier nach Ressourcen darf nicht dazu führen, dass ganze Völker vom Aussterben bedroht werden. Aktuell sehen wir immer mehr, wie gefährlich eine rein auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Politik für die schwächsten Teile der Bevölkerung und für globale Gemeininteressen wie den Klimaschutz ist.“

Bei einer Pressekonferenz der Grünen mit dem Titel „Die Lunge des Planeten brennt“ in Wien vor einem Jahr forderten VertreterInnen des indigenen Volks der Huni Kuin die internationale Gemeinschaft auf, „gemeinsam für das Überleben der Menschheit zu kämpfen“ und den Druck auf den brasilianischen Präsidenten zu erhöhen. Angesichts der verheerenden Walbrände im Amazonasgebiet haben diese zur Unterstützung aufgerufen. Ernst-Dziedzic hatte sie nach Österreich eingeladen, um auf die dramatische Situation der indigenen Völker Vorort aufmerksam zu machen. „In der brasilianischen Verfassung von 1988 haben indigene Völker ein Recht auf fortdauernden Besitz der von ihnen bewohnten Fläche und auf die exklusive Nutzung der dort befindlichen Rohstoffe und Bodenschätze“, sagt Ernst-Dziedzic und weiter: „Der rechtsextreme Präsident Brasiliens Bolsonaro stellt jedoch Wirtschaftsinteressen über das Recht der Indigenen. Für uns ist klar: Wenn Brasilien Handel mit Europa betreiben will, dann muss der Amazonas-Wald stehen bleiben, dass muss eine Bedingung sein, sonst gibt es keine wirtschaftlichen Beziehungen“, so die außenpolitische Sprecherin der Grünen.

Hinzu kommt eine aktuelle Herausforderung: Die Corona-Pandemie bedroht die indigenen Völker zusätzlich massiv in ihrer Existenz. Die Indigenen leben oft in entlegenen Gebieten ohne ausreichende medizinische Infrastruktur, das Virus dringt so zum Beispiel immer weiter in bisher geschützte Gebiete des Amazonas vor. Die Bevölkerung ist diesem dort meist schutzlos ausgeliefert. Das Virus oder andere eingeschleppte Krankheiten sind für die indigenen und/oder unkontaktierten Völker oft mit verheerenden Folgen verbunden: In den 1980er Jahren sind in Peru beispielsweise mehr als 50% des Nahua-Volkes in Folge von Ölerkundungen auf ihrem Gebiet gestorben. Dieselbe Tragödie ereilte die indigenen Murunahua Mitte der 1990er, nachdem sie während illegaler Mahagoniabholzung gewaltsam vertrieben wurden. „Hier braucht es endlich Konzepte der Regierungen, um die Indigenen zu schützen. Die Bemühungen sind auch deshalb unzureichend, weil andere Interessen im Vordergrund stehen. Hier müssen wir Grüne uns lauter auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene einsetzen und auf die immer schlimmere Situation vieler Völker aufmerksam machen“.​