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am 26. April

Disoski - Offener Brief: „Gewaltverharmlosendes Sujet von TV-Media völlig inakzeptabel“

Meri Disoski - Grüne Frauensprecherin fordert in offenem Brief sofortige Zurücknahme

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Schreibershofen,

mit großem Entsetzen habe ich gestern u.a. im „Standard“ und „Kurier“ geschaltene TV-Media-Sujet mit dem Titel „Das Plappermaul“ gesehen. Ich bin über diese gewaltverharmlosende, frauenverachtende und sexistische Werbung ihres Magazins erschüttert und fordere Sie mit diesem offenen Brief dazu auf, dieses Sujet sofort zurück zu nehmen und derartige Werbungen künftig zu unterlassen.

Im Laufe ihres Lebens erfährt jede fünfte Frau in Österreich körperliche oder sexuelle Gewalt. In Österreich werden europaweit die meisten Frauen von Männern umgebracht, im Vorjahr sind 41 Frauen, im laufenden Jahr sechs Frauen von ihren (Ex-)Partnern getötet worden. Gewaltbereite Männer verletzen und töten Frauen.

Berichte aus China und Italien zeigen, dass die Corona-Krise mit einem Anstieg körperlicher und sexueller Gewalt einhergeht. Aktuelle Zahlen bestätigen einen Anstieg bei häuslicher Gewalt während der Corona-Krise auch in Österreich: Es gibt mehr Betretungs- und Annäherungsverbote, die „Frauenhelpline gegen Gewalt an Frauen“ verzeichnet um 70% mehr Anrufe als sonst. 

Während die Bundesregierung eine breit angelegte Offensive zur öffentlichen Bewusstseinsbildung gegen häusliche Gewalt gestartet hat, bewerben Sie ihre Zeitschrift mit einem gewaltverharmlosenden Sujet. Dadurch banalisieren Sie Gewalt gegen Frauen. Das ist völlig inakzeptabel!

Ich fordere Sie dazu auf, dieses Sujet sofort zurückzunehmen und derartige Werbung künftig zu unterlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Mag.a Meri Disoski
Sprecherin für Frauen* und Gleichstellung, Die Grünen