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am 20. September

Stammler-Kritik: Mehrheit des europäischen Parlaments weiter für multiresistente Keime

Clemens Stammler - Strengere Regeln für Einsatz von Antibiotika, höhere Tierwohlstandards und Herkunftskennzeichnung von Fleischprodukten notwendig

 „Für viele Bäuerinnen und Bauern in Teilen Deutschlands, jenen Teilen, wo intensive Schweinezucht betrieben wird, gibt es eine Quarantänepflicht bei Krankenhausbesuchen. Und das nicht erst seit Corona“, erklärt Clemens Stammler, Abgeordneter der Grünen und Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, und führt weiter aus: „Aus Angst vor multiresistenten Keimen werden die Bäuerinnen und Bauern dort vorsorglich in Quarantäne geschickt. Daran erkennt man, wie ernst und real die Gefahr ist, die von diesen Keimen ausgeht.“ 

Im EU-Parlament wurde dennoch ein Vorstoß der Grünen, welcher strengere Regeln im Zusammenhang mit dem massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zum Ziel hatte, abgelehnt. Konkret sah die Initiative vor, den Einsatz von Reserveantibiotika zu begrenzen. Diese kommen zum Einsatz, wenn herkömmliche Antibiotika bereits nicht mehr greifen. Eingesetzt werden solche Antibiotika vor allem in der Massentierhaltung. Stammler führt aus: „Gerade in der Massentierhaltung, dort wo die Tiere unter schlechten Hygienebedingungen auf viel zu engem Raum gehalten werden, werden massenhaft Antibiotika eingesetzt. Dabei kann es zur Bildung von multiresistenten Keimen kommen, die auch für Menschen gefährlich sein können.“ 

Im Sommer 2020 wollten sich die Abgeordneten Clemens Stammler und Olga Voglauer, Bundesrat Andreas Lackner und die beiden Europaabgeordneten Sarah Wiener und Thomas Waitz selbst ein Bild machen und haben im Großhandel, also dort wo auch die heimische Gastronomie ihre Waren bezieht, eingekauft und die Fleischproben anschließend in ein Labor geschickt. Das Ergebnis war alarmierend. „Von elf Proben waren vier mit multiresistenten Keimen belastet. Schon durch eine kleine Wunde, etwa am Nagelbett, kann der Erreger auf den Menschen übertragen werden. Problematisch wird es dann, wenn dieser gegen unsere herkömmlichen Behandlungsmethoden immun ist“, warnt Stammler. 

Die Lösung sieht Stammler, neben strengeren Regeln beim Einsatz von Reserveantibiotika, vor allem in einer Anpassung der Mindeststandards und in der Herkunftskennzeichnung: „Es braucht mehr Platz für die Tiere, denn die Massentierhaltung verursacht nicht nur Tierleid, sondern ist letztlich auch gesundheitsgefährdend für uns Menschen. Darüber hinaus braucht es auch die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. In Österreich sind die Standards bereits teilweise höher als in den meisten anderen EU-Staaten. Das Risiko für multiresistente Keime ist in österreichischem Fleisch dadurch wesentlich geringer.“