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am 11. November 2020

Europäische Agrarpolitik muss den Green Deal umsetzen

Olga Voglauer, Clemens Stammler - Zukunft BIO-Landwirtschaft-Vorsprung nicht verspielen

Die nächste 7-Jahres-Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wird bereits verhandelt, seit die Europäische Kommission 2018 ihren Entwurf  dazu vorgelegt hat. Erst im Oktober 2020 haben sich schließlich sowohl das Europäische Parlament als auch der Agrarministerrat auf ihre Positionen geeinigt, und können nun in Verhandlung treten.

Aus Grüner Sicht ist aber schon jetzt klar: Das wird nichts mehr. Nachwievor soll gelten – mehr Hektar, mehr Flächenförderung. 

Die neue Kommission hatte 2019 mit dem Green Deal eine Strategie vorgelegt, wie Europa die Klima- und Biodiversitätsziele erreichen soll. Die `Farm to Fork Strategie´ legte dann die Ziele für den Ernährungsbereich fest: Halbierung des Pestizideinsatzes, Halbierung des Nährstoffaustrags, Halbierung des Antibiotikaeinsatzes – bis 2030. Laut Biodiversitätsstrategie sollen bis 2030 außerdem 10% der landwirtschaftlichen Fläche aus wertvollen Landschaftselementen bestehen. Leider sind mit der vorliegenden GAP, samt Definition der Agrarförderungen bis 2027diese Ziele unerreichbar geworden..

Auf europäischer Ebene fordern wir Grünen gemeinsam mit vielen Umweltorganisationen die Europäische Kommission auf, ihren ursprünglichen Vorschlag zurückzuziehen. Unterstütze uns dabei, die Europäische Kommission dazu zu bringen, einen neuen Entwurf vorzulegen – ganz im Sinne der Umwelt- und Klimaziele. Unterschreibe hier: https://withdrawthecap.org/de

Zukunft BIO-Landwirtschaft -Vorsprung nicht verspielen

Wir haben über 25% Bio-Landwirtschaft in Österreich, im europäischen Vergleich eine noch relativ kleinstrukturierte Agrarlandschaft, und in einigen Bereichen bessere Tierhaltungsstandards. Diesen Vorsprung dürfen wir nicht verspielen, im Gegenteil: Für die Erreichung des 1,5° Ziels und den Erhalt der Artenvielfalt haben auch wir noch viel zu tun.

GAP muss den Systemwandel einläuten

Wir brauchen einen Systemwechsel: Bio als neuer Standard, deutlich weniger Fleisch und tierische Produkte, Lebensmittel als wertvolles Gut das nicht mehr weggeschmissen wird. Die GAP kann diesen Systemwandel nicht alleine erreichen – sie ist aber das wichtigste Mittel um ihn einzuleiten und den Bäuerinnen und Bauern diesen Wandel zu ermöglichen.

Wir fordern daher eine GAP, die öffentliche Leistungen anerkennt und finanziell honoriert. Bauern und Bäuerinnen, die Humus aufbauen und den Boden schonen, die ihre Tiere artgerecht halten, die biologisch wirtschaften, die Nützlinge statt Ackergifte einsetzen, sollen dafür belohnt werden. Kleinteilige Landwirtschaft mit Respekt für die Natur muss sich wieder rechnen. Biologische Bewirtschaftung, tiergerechte und natur- und klimaschonende Landwirtschaft ist oft mit höherem Arbeitsaufwand verbunden. Wir sparen uns dafür aber alle Folgekosten der industriellen Landwirtschaft, wie multiresistente Keime, krankmachende Luft, den Verlust der Insekten, oder Gifte in unserem Essen und Trinkwasser.  

Den Irrweg „wachsen oder weichen“ beenden!

Die Informationen, die uns derzeit aus dem BMLRT über die Maßnahmen der neuen GAP vorliegen, sind besorgniserregend. Damit könnten wir weder kleinbäuerliche Betriebe langfristig erhalten, noch wird die Landwirtschaft ihren Beitrag zur Erreichung der die Klima- und Umweltziele leisten können.Ministerin Köstinger ist gefordert die Karten auf den Tisch zu legen. Es geht um eine gezielte Förderung der Bio-Betriebe und ein Bekenntnis zu familieren bäuerlichen Struktur. Für uns Grüne gilt – bei ÖPUL und Direktzahlungen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen,.