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am 30. Juni

Disoski/Koza: Einführung des Frühstarter*innenbonus war goldrichtig

Meri Disoski, Markus Koza - Gendergap bei Pensionen 2020 aufgrund alter "Hacklerregelung" weiter gewachsen – Grüne für mehr Verteilungsgerechtigkeit auch im Pensionssystem

Die Schere zwischen Frauen- und Männerpensionen ist 2020 noch einmal größer geworden, wie aktuelle Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) belegen. Im Vergleich zum Jahr 2019 verschlechterten sich Frauenpensionen 2020 gegenüber Männerpensionen um vier Prozentpunkte (Gendergap bei Pensionen 2020: 56 Prozent, 2019: 60 Prozent). Als Hauptgrund für die steigende Ungleichheit nennt die PVA die Abschlagsfreiheit bei der Langzeitversichertenregelung („Hacklerregelung“), die de facto nur Männern zu Gute gekommen ist: So nahmen vergangenes Jahr 11.060 Männer, aber nur 3 Frauen die Langzeitversichertenregelung in Anspruch.

„Wir sehen uns in unserer Kritik an der ‚Abschlagsfreiheit‘ bei der Langzeitversichertenregelung damit voll und ganz bestätigt. Sie war und ist eine Regelung, die fast ausschließlich Männern nützt und Verteilungsungerechtigkeiten im Pensionssystem noch einmal verschärft. Sie ist und bleibt ein Minderheitenprogramm, daran ändert auch die gesetzliche Angleichung des Frauen- an das Männerpensionsalter nichts, weil die Beitragszeiten von Frauen auch dann noch weit hinter jenen der Männer zurückliegen“, bekräftigen Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen, und Markus Koza, Arbeits-und Sozialsprecher der Grünen. 

Umso wichtiger sei die Umsetzung des Frühstarter*innenbonus gewesen. „Damit wurde tatsächlich eine ‚Hackler*innenregelung‘ geschaffen, von der Männer wie Frauen, die früh zu arbeiten begonnen haben, annähernd gleich profitieren und die künftig – laut Pensionsversicherungsanstalt - jährlich zwischen 60.000 und 70.000 Pensionist*innen zu Gute kommt.“ Wer ab 1. Jänner 2023 in Pension geht, 25 Beitragsjahre hat und zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr Pensionsbeiträge geleistet hat, erhält bis zu 60 Euro monatlich und 840 Euro jährlich zusätzliche Pension. „Eine Maßnahme, die zu mehr Verteilungsgerechtigkeit bei den Pensionen führt und Beitragszeiten erfordert, die gerade auch von Frauen erreichbar sind und daher den Gender-Gap – im Gegensatz zu Abschlagsfreiheit – reduzieren wird“, erklärt Koza. 

„Ungerechtigkeiten im Erwerbsleben lassen sich nur bedingt im Pensionssystem beheben. Jahrzehntelange Versäumnisse bei der Beseitigung von Einkommensunterschieden bei Männern und Frauen und die massive Ungleichverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit, lassen sich nicht von heute auf morgen korrigieren. Mit der Erhöhung des Ausgleichszulagenrichtsatzes auf 1.000 Euro und der Einführung des Frühstarter*innenbonus wurden Schritte gesetzt, um mehr Gerechtigkeit – auch Geschlechtergerechtigkeit – im Pensionssystem herzustellen. Weitere müssen folgen", führen Koza und Disoski aus. 

Dazu gehöre, betont Disoski, etwa Lohntransparenz: "Aktuelle Untersuchungen der Statistik Austria belegen, dass der Gender-Pay-Gap in Österreich 20 Prozent beträgt. In Dänemark sind Unternehmen mit mehr als 35 Mitarbeiter*innen dazu verpflichtet, Gehälter offen zu legen. Das hat den Pay-Gap drastisch reduziert. So etwas brauchen wir auch in Österreich, die derzeitigen Regeln sind wirkungslos. Deshalb poche ich einmal mehr auf verpflichtende Lohntransparenz für Unternehmen, wie sie in anderen europäischen Staaten schon längst üblich ist", sagt die Grüne Frauensprecherin. Auf struktureller Ebene brauche es zudem den bundesweiten Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und die Implementierung von zeitgemäßen Elternkarenz-Modellen, mit denen die Verantwortung für Sorge- und Erziehungsarbeit fairer verteilt wird.