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am 14. Juni

Tierschutzvolksbegehren im Parlament

Olga Voglauer, Faika El-Nagashi - Über 416.000 Menschen haben das Tierschutzvolksbegehren unterschrieben und so den Anliegen der Tiere ihre Stimme verliehen.

Es geht um bessere Haltungsbedingungen in der Landwirtschaft und die Reduktion und Verkürzung von Tiertransporten, Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten bei tierischen Produkten, und Mitwirkungsrechte von Tierschutzorganisationen.

​Gestern fand das Expert*innen-Hearing dazu im Gesundheitsausschuss statt, das hier​ nachgesehen werden kann. Zu Beginn fand Sebastian Bohrn-Mena als Initiator des Volksbegehrens klare Worte: Es bedürfe eines Systemwandels in der Landwirtschaft statt Symptombekämpfung, um endlich das rechtlich festgeschriebene Bekenntnis zum Tierschutz auch in die Praxis umzusetzen. Dafür brauche es aber auch Unterstützung für die Bäuerinnen und Bauern im Umstieg auf tierwohlgerechte Haltungsformen; die verpflichtende Herkunftskennzeichnung und Umschichtung der Förderungen und anderer öffentlicher Mittel seien daher zentrale Forderungen. Das Volksbegehren umfasst insgesamt fünf thematische Hauptbereiche: Eine tiergerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft, die Förderung des Tierwohls durch öffentliche Mittel, mehr Transparenz für KonsumentInnen, ein besseres Leben für Hunde und Katzen, sowie eine starke Stimme für die Tiere.

​Die Expert*innen Prof. Zollitsch (BOKU), HS-Prof. Kirner (Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik), Mag.a Kopschar (Tierärztin), Dr.in Wolf (Tierärztin) und DDr. Balluch (VGT) beantworteten die zahlreichen Fragen der Abgeordneten zu den notwendigen Verbesserungen im Tierschutz und wie dieser Weg auszugestalten sei.

Prof. Werner Zollitsch ging dabei u.a. auf die Notwendigkeit ein, neben drastischen Verbesserungen in den Haltungsbedingungen auch den Tierbestand in der Landwirtschaft sowie den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. HS-Prof. Kirner erläuterte anhand einer von ihm durchgeführten Studie, dass tierfreundliche Haltungssysteme nicht teurer für die Landwirtschaften sein müssen, teilweise sei sogar das Gegenteil der Fall, es ginge um gutes Stallmanagement. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass die meisten teilnehmenden Betriebe nicht mehr zu konventionellen Systemen zurück wollen und ihre Arbeit unter besseren Tierwohlbedingungen auch für die Menschen nun eine schönere ist. DDr. Balluch kritisierte die langjährigen Versäumnisse insbesondere in der Schweinebranche und nannte das Ende der Massentierhaltung als wichtigsten Beweggrund der Menschen, das Volksbegehren unterzeichnet zu haben. Mag.a Kopschar erklärte zum Thema Qualzucht beim Hund das Niederländische Ampelmodell, das auch Österreich als Vorbild zur besseren Umsetzung des Qualzuchtverbots dienen kann. Außerdem sprach sie sich deutlich für die Immuno-Kastration von Ferkeln aus, um der betäubungslosen Kastration endlich ein Ende zu setzen. Dr.in Wolf appellierte dafür, den Auswüchsen von Zuchtexperimenten, Stichwort „teacup dogs“, etwas entgegenzuhalten. 

Wir nehmen die zahlreichen Inputs der Expert*innen nun in unsere Verhandlungen auf: Im Herbst wollen wir einen Antrag mit Verbesserungen im Tierschutz in die Beratungen zum Volksbegehren einbringen. Wir sind hierfür bereits im Austausch sowohl mit Tierschutzorganisationen als auch mit landwirtschaftlichen Branchenverbänden; die Verhandlungen mit dem Koalitionspartner sind bereits am Laufen. 

Faika El-Nagashi, Tierschutzsprecherin: „Die große Unterstützung für das Tierschutzvolksbegehren ist ein unmissverständlicher Auftrag an die Politik, vor allem in der Nutztierhaltung endlich einen Systemwandel einzuleiten. Die Schockbilder aus Massentierhaltungen zeigen regelmäßig, wie qualvoll der Alltag für fühlende Lebewesen in Österreich hinterm Vorhang tatsächlich ist. Im Jahr 2021 müssen wir die Haltungssysteme an die Bedürfnisse der Tiere anpassen und nicht umgekehrt. Unser Ziel ist ein umfassendes Tierschutzpaket bis zum Herbst.“ 

Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin: „Es braucht dringend gute Haltungsbedingungen für Schweine und das Ende des Kükentötens, sowie einen Ausstieg aus Gentechnikfuttermitteln aus Übersee. Wir hinken im Tierschutz den Ansprüchen der Bevölkerung weit hinterher – dabei wäre es eine Chance auch für die Landwirtschaft, die zukünftigen Standards für eine umweltgerechte und tierfreundliche Landwirtschaft selbst zu definieren. Mit begleitenden Förderungen und Marktanreizen etwa durch Herkunfts- und Haltungskennzeichnung ist dieser Systemwechsel gut zu bewältigen!“.