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am 21. September

Disoski: Anstieg der Betretungsverbote ist eindeutiger Handlungsauftrag für Ausbau des Gewaltschutzes

Meri Disoski - Finanzminister Blümel in der Pflicht

„Die heute präsentierten Zahlen zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie sind nicht nur erschütternd, sie sind vor allem auch ein eindeutiger Handlungsauftrag für einen bundesweiten Ausbau des Gewaltschutzes“, meint Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen. 

Während des Corona-Lockdowns wurden in Österreich um 22 Prozent mehr Betretungs- und Annäherungsverbote durch die Polizei ausgesprochen als vorher; die Frauenhelpline verzeichnet eine stark erhöhte Anzahl an Anrufen.

Allein im April wurden 1081 Wegweisungen und Betretungsverbote ausgesprochen, im Februar waren es noch 886. „Dabei sprechen wir nur von den uns bekannten Zahlen. Die Dunkelziffer beim Anstieg häuslicher Gewalt ist wesentlich höher, darauf haben Gewaltschutzexpert*innen bereits mehrfach hingewiesen. Häusliche Gewalt ist sehr stark tabuisiert. Betroffene scheuen oftmals davor zurück, professionelle Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich ihrem persönlichen Umfeld anzuvertrauen“, unterstreicht Disoski und weiter: „Eine zentrale Voraussetzung für Frauen, gewalttätige Beziehungen zu verlassen, liegt bekanntermaßen in der ökonomischen Unabhängigkeit von Frauen. Auch hier herrscht dringender Handlungsbedarf.“ 

„Sehr wichtig war es, dass Justizministerin Alma Zadić und Frauenministerin Susanne Raab das Thema Gewaltschutz in der ersten Woche des coronabedingten Lockdowns in der Öffentlichkeit adressiert und die Maßnahmen in diesem Bereich verstärkt haben. Der bundesweite Ausbau von Gewaltschutz-Strukturen hat daher weiterhin höchste Priorität. Hier ist insbesondere auch Finanzminister Blümel in der Pflicht, die dafür notwendigen Mittel zu gewährleisten“, sagt Disoski.

Die Grüne Frauensprecherin erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass Österreich 2013 die Istanbul-Konvention, ein Europaratsübereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, ratifiziert hat. „Die Istanbul-Konvention des Europarats gilt als Meilenstein im europaweiten Kampf gegen Gewalt an Frauen. Österreich ist bei der Umsetzung säumig, was auf die Untätigkeit vergangener Regierungen zurückzuführen ist.“