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am 30. April

Disoski: „Breite Sensibilisierungsmaßnahmen zu Männergewalt und Männerbildern notwendig“

Meri Disoski - Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung – Zivilcourage zeigen – Hochrisiko-Fallkonferenzen

Bestürzt zeigt sich Meri Disoski, die Frauenvorsitzende der Grünen und Frauensprecherin im Grünen Parlamentsklub, angesichts des neunten Frauenmordes im laufenden Jahr: „Das Ausmaß der Gewaltbereitschaft, das Ausmaß der Männergewalt in Österreich ist nicht nur schockierend und schier unerträglich. Es ist auch ein politischer Auftrag für breite Sensibilisierungs- und Bewusstseinsmaßnahmen zu Männergewalt und Männerbildern. Hier müssen wir im Kampf gegen die massive gesellschaftsstrukturelle Verankerung von Gewalt noch stärker ansetzen. Gewalt darf niemals etwas Selbstverständliches und Alltägliches sein“, sagt Disoski. 

„Die patriarchale, geschlechtshierarchische Struktur unserer Gesellschaft vermittelt die Vorstellung der Überlegenheit von Männern und der Unterordnung von Frauen. Solche Vorstellungen haben zur Folge, dass viele Männer es für selbstverständlich ansehen, Frauen zu demütigen, zu bedrohen, ihnen sexuelle Gewalt anzutun, sie zu schlagen. Oder sogar sie zu ermorden, wie es gestern Abend zum bereits neunten Mal im heurigen Jahr passiert ist“, führt Disoski aus. „Es ist deshalb wichtig dort anzusetzen, wo diese Gewalt entsteht: Bei Männern und bei den gesellschaftlich tradierten Bildern von Männlichkeit“, hält Disoski fest. Solche Maßnahmen benötige es „verstärkt bereits bei den Kleinsten, denn schon ihnen wird über Vorbilder, über Werbung und Medien vermittelt, dass Buben Dominanz über Mädchen und Männer Dominanz über Frauen haben“, führt Disoski aus. „Wenn schon die Kleinsten lernen, diese gesellschaftlich zugeschriebene Über- bzw. Unterlegenheit auszufüllen, müssen wir dort ansetzen und die Gleichheit vermitteln“, sagt Disoski.

Die Frauensprecherin wendet sich auch direkt an alle, die Opfer von Gewalt sind: „Sie sind nicht alleine und Sie sind nicht schuld! Bitte holen Sie sich Unterstützung, Beratung und Schutz in den Frauen- und Mädchenberatungsstellen, in den Frauenhäusern, Gewaltschutzzentren, Interventionsstellen und bei der Polizei“. Auch appelliert Disoski an die nachbarschaftliche Zivilcourage: „Bitte schauen und hören Sie bei Gewalt in ihrer Nachbarschaft nicht weg. Ihr Einschreiten kann Leben retten.“ 

In den letzten 18 Monaten hat die türkis-grüne Bundesregierung im Gewalt- und Opferschutz eine Vielzahl längst überfälliger, von Expert*innen lange geforderter Maßnahmen umgesetzt. „Neben der dringend notwendigen Budgeterhöhung im Frauenministerium hat Justizministerin Zadic die psychosoziale und juristische Prozessbegleitung ausgeweitet, für Opferschutzeinrichtungen die Möglichkeit geschaffen, Opfer von häuslicher Gewalt vor Gericht zu vertreten und per Erlass die Strafverfolgungsbehörden auf spezielle Bedürfnisse bei Gewalt an Frauen sensibilisiert. Gemeinsam mit Expert*innen hat das Gesundheits- und Sozialministerium die ‚Toolbox Opferschutz‘ entwickelt, die Gesundheitspersonal eine Basis für einen professionellen Umgang mit Betroffenen von häuslicher Gewalt bietet und ihre Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Früherkennung verbessert. Wir haben auch die in der Istanbul-Konvention verankerte opferschutzorientierte Täterarbeit gestärkt“, erinnert Disoski. 

Die Grüne Frauensprecherin unterstützt die Forderung von den Opferschutzexpert*innen nach der Wiedereinführung multiinstitutioneller Fallkonferenzen bei Hochrisiko-Fällen. „Die Hochrisikofallkonferenzen wurden unter Schwarz-Blau de facto abgeschafft, ich dränge auf eine rasche Wiedereinführung.“