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am 6. Mai

Neßler: Strategie für Kinderbetreuung im Sommer dringend notwendig

Barbara Neßler - Familien dürfen in der Krise nicht allein gelassen werden

Wie die nächsten Monate aussehen werden, dass weiß niemand so richtig. Die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt, im Gesundheitsbereich und der Wirtschaft sind groß. Besonders hart hat die Krise aber auch Familien getroffen, trotz schrittweiser Öffnung von Kindergärten und Schulen ist die Betreuungssituation in vielen Fällen problematisch.

„Schwierig ist vor allem die fehlende Möglichkeit, Großeltern als Betreuungspersonen während der Coronakrise einzusetzen. Weil ältere Personen als Risikogruppe gelten, sollen Kinder nicht zu ihnen gebracht werden, um Ansteckungen zu vermeiden. Das stellt eine zusätzliche große Herausforderung dar, da laut dem Ergebnis einer SORA-Umfrage mit 524 Personen für das Momentum Institut, 29 Prozent auf die Kinderbetreuung durch die Großeltern zurückgegriffen haben“, so die Kinder-, Jugend- und Familiensprecherin Barbara Neßler.

Eine zusätzliche große Herausforderung sind die Sommerferien. Viele Eltern mussten bereits Urlaub nehmen, um die Kinderbetreuung sicherstellen zu können. Für den Sommer haben zahlreiche Familien deshalb nicht mehr genug Urlaubsanspruch, um die Kinderbetreuung zu schaffen, eine externe Betreuung ist oft nicht leistbar.

„Familien mit Kindern sind jetzt schon am Rande ihrer Belastungsgrenzen. Dass Kindergärten und Schulen wieder schrittweise aufsperren, ist positiv und schafft etwas Erleichterung. Aber niemand weiß so richtig, wie es im Sommer weitergehen soll. Werden Eltern überhaupt Urlaub nehmen können? Wird es wieder möglich sein, auf Großeltern als Unterstützung in der Kinderbetreuung zurückzugreifen? Werden Betreuungsstrukturen für Kinder und Jugendliche vorhanden und leistbar sein? Wir müssen nun beginnen auf die vielen offenen Fragen Antworten zu schaffen.“, fordert Kinder, Jugend und Familiensprecherin Neßler.

Weitere Maßnahmen zur Unterstützung von Familien notwendig

Einige Maßnahmen zur Unterstützung von Familien in Krisenzeiten wurden bereits umgesetzt: Die Bereitstellung von 60 Millionen Euro für den Familienhärtefond, die Verlängerung der Familienbeihilfe für Familien mit Kindern in Studium oder Ausbildung, sowie Erleichterungen bei der Gewährung von Unterhaltsvorschüssen wurden als wichtige Schritte zur Entlastung von Familien gesetzt. Weitere Unterstützung wird jedoch in den nächsten Monaten notwendig sein.

„Familien sind zentral für unsere Gesellschaft und müssen in der Krisenbewältigung eine noch wichtigere Rolle einnehmen. Kinderbetreuung ist keine rein private Frage, hier liegt es auch an uns Politikerinnen und Politikern Strukturen zu schaffen und Lösungsvorschläge zu machen. Da Kinderbetreuung hauptsächlich in die Kompetenz der Länder fällt, sind Zusammenarbeit und Koordination mit den Bundesländern äußerst wichtig“, so Neßler.

Besonders Frauen stark überbelastet

Für 51 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer ist die Situation mit Kinderbetreuung in den eigenen vier Wänden "sehr belastend". Das ist ein weiteres Ergebnis einer SORA-Umfrage im Auftrag des Momentum Instituts. Demnach bleiben Frauen hauptverantwortlich für die Kinderbetreuung, Arbeitszeiten verlagern sich oft in die Nacht. Die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen während der Coronakrise in 42 Prozent der Fälle die Mütter, in 23 Prozent die Väter.

„Es kann nicht sein, dass diese Krise vor allem auf dem Rücken von Frauen ausgetragen wird, die Kinderbetreuung und Homeoffice unter einen Hut bringen müssen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss für Frauen und Männer möglich sein, das gilt auch in Krisenzeiten.“, so Neßler abschließend.