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am 20. Juli 2013

Ein Modell, zwei Varianten

- Wir Grüne wollen das System des Kinderbetreuungsgelds radikal ändern: Es soll nur mehr ein einkommensabhängiges Modell mit einer Vollzeit- und einer Teilzeit-Variante geben.

Kein anderes europäisches Land hat so viele Varianten des Kinderbetreuungsgeldes wie Österreich. Derzeit gibt es fünf verschiedene Varianten. Aber viel ist hier nicht besser, denn Eltern blicken ob der Komplexität der unterschiedlichsten Varianten nicht mehr durch. Das wollen wir ändern - unsere Vorschläge:

1. Besser ein gutes System statt viele schlechte.

Das Kinderbetreuungsgeld vereint zwei Systeme in einem: das Kinderbetreuungsgeld als Geldleistung und das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld als so genannte Einkommensersatzleistung. SPÖ und ÖVP sprechen hierbei von “Wahlfreiheit” und “Vielfalt“ des Angebots. Wir nennen das System kompliziert und undurchsichtig. 

2. Soziale Elternschaften anerkennen.

Derzeit ist es nämlich so, dass neue PartnerInnen, die nicht die biologischen Eltern eines Kindes sind, keinerlei Anerkennung haben und das Kinderbetreuungsgeld nicht beanspruchen können.

3. Dauer der nicht zurückzuzahlenden Beihilfe verlängern.

Die Umwandlung des Zuschusses in eine nicht mehr rückzuzahlende Beihilfe ist an sich positiv. Allerdings bedeutet die Verkürzung auf 12 Monate dieser Leistung gerade für sozial Schwache eine deutliche Schlechterstellung. Hier wurde ganz offensichtlich Geld eingespart. 

4. PAPA SEIN - AKTIV UND BEWUSST.

Der Papamonat ist eine wichtige Unterstützung für Jungfamilien - er hilft, die Neuorganisation des Familienalltags nach der Geburt eines KIndes zu unterstützen. Das wollen wir fördern!

„Unser Familienmodell entspricht der Realität des 21. Jahrhunderts. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn das Kinderbetreuungsmodell auch endlich dort ankommen würde.“
Daniela Musiol

das GRÜNE KARENZMODELL

Wir wollen ein gutes Modell statt viele schlechte. Eines, das gerecht, verständlich und flexibel ist - mit einer Einkommensabhängigkeit für ALLE! Denn nur durch die einkommensabhängige Gestaltung wird es gerade für die meist mehr verdienenden Männer attraktiver, beim Kind zu bleiben - weil sie bei deisem Model 80 % ihres letzten Gehaltes bekommen. Die Mindesthöhe liegt hier bei 1.000 Euro, das maximale Ausmaß bei 2.000 Euro. Wer vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig war, erhält 1.000 Euro. Somit wird das oftmals mit der Geburt eines Kindes einhergehende Armutsrisiko deutlich minimiert. Unser Karenzmodell wollen wir wahlweise in zwei Varianten anbieten:

VARIANTE 1: VOLLZEITVARIANTE = 14 MONATE

Der/die PartnerIn übernimmt vier bzw. maximal zehn Monate der Betreuungsdauer und bekommt 80 % des letzten Gehaltes. Beispiel: Die Mutter nimmt 10 Monate Vollzeit-Kinderbetreuung, der Vater vier Monate. Oder Vater und Mutter gehen beide jeweils sieben Monate in Vollzeitkarenz.

VARIANTE 2: TEILZEITVARIANTE = 18 MONATE

In dieser Variante gibt es für maximal zehn Monate 80 % des letzten Gehaltes sowie acht Monate lang 40 %. Um die volle Dauer ausschöpfen zu können, muss der/die PartnerIn mindestens zwei Monate Vollzeit- sowie vier Monate Teilzeitkarenz beanspruchen. Beispiel: Die Mutter nimmt acht Monate Vollzeit- und der Vater zwei Monate Teilzeitkarenz. Dann nehmen beide jeweils vier Monate Teilzeitkarenz.

ZUM GRÜNEN KARENZMODELL GEHÖREN AUSSERDEM:

  • Partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit:
    Durch die Ausdehnung der Partnermonate auf vier bis maximal zehn Monate werden die beruflichen Auszeiten von Frauen und Männern allmählich angeglichen. Bis zum 18. Lebensmonat des Kindes kann dadurch immer einer der beiden Elternteile in Karenz bleiben, davon vier Monate in Teilzeit mit 40 Prozent des Nettoeinkommens.
  • Papamonat:
    Immer noch machen viel zu wenige frischgebackene Papas von der Väterkarenz Gebrauch. Um die Väterbeteiligung zu steigern, braucht es ein Gesetz zur Schaffung eines vierwöchigen Freistellungsanspruchs für Väter nach der Geburt eines Kindes (automatisierter Papamonat). Die Einführung eines automatisierten Papamonats wäre eine ideale Maßnahme, um Vätern Anreize zu geben, sich an der Kinderbetreuung aktiver zu beteiligen. 
  • Gesetzlicher Krippenplatz:
    Ab dem Ende der Karenz, spätestens jedoch ab dem ersten Geburtstag des Kindes besteht ein Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kinderbetreuungsplatz.
  • Betreuungsperson hilft AlleinerzieherInnen:
    Alleinerzieherinnen haben nach Ablauf der Karenz die Möglichkeit, "soziale Elternschaft" in Anspruch zu nehmen. Alleinstehende Mütter oder Väter können also z.B. ein Familienmitglied oder eine Tagesmutter/einen Tagesvater als Betreuungsperson nominieren, die ebenfalls karenz- und bezugsberechtigt ist.
  • Nebenbei dazuverdienen:
    Um die Berechnung der Zuverdienstgrenze zu vereinfachen, können Eltern in der Vollzeitvariante bis zu 20 %, in der Teilzeitvariante bis zu 60 % ihres Nettoeinkommens dazuverdienen.