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am 4. September

„Get your numbers right, Herr Schwarzenegger!“

Martin Litschauer - Litschauer zu gefährlicher Nuklearenergie-Verharmlosung in Krone-Interview

„Idole und Superhelden können mit einem Nebensatz die Richtung von Weltgeschehnissen verändern. Umso fataler ist es, wenn Arnold Schwarzenegger Opferzahlen herunterspielt, um Atomenergie zu verharmlosen. Die tatsächlich Zehntausenden Betroffenen und ihre Hinterbliebenen müssen sich verhöhnt fühlen.“ So Martin Litschauer, Anti-Atomsprecher des Grünen Klubs zum Krone-Interview mit Arnold Schwarzenegger am 30.8.2020. 

Schwarzenegger hat seine Befürwortung von Nuklearenergie als Teil der Energiewende mit der Ungefährlichkeit von Atomenergie im Vergleich zu anderen Energieformen gerechtfertigt. So wären die Opferzahlen durch Unfälle in Kohlekraftwerken und die Feinstaubbelastung von Kohleverbrennung deutlich höher als die insgesamt 5000 Opferzahlen von Nuklearkatastrophen. 

Litschauer dazu: „Tatsächlich weiß man mittlerweile, dass allein der Tschernobyl Supergau langfristig zu über 40 000 Todesfällen führen wird und das auch hier in Österreich. Wir reden immerhin von 40% der europäischen Böden, die immer noch mit radioaktivem Cäsium belastet sind. Über 400 000 EuropäerInnen müssen ein erhöhtes Krebsrisiko in Kauf nehmen. Nach 35 Jahren tötet Tschernobyl immer noch.“

Laut einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie zu den Langzeitfolgen von Tschernobyl (TORCH 2016, herausgegeben von Global 2000 und finanziert von der Wiener Umweltanwaltschaft), ist Österreich sogar am zweitmeisten von radioaktiver Cäsiumbelastung betroffen. 

„Vielen ÖsterreicherInnen ist nicht bewusst, dass Radioaktivität oft jahrzehnte- und jahrhundertelang wirkt. In Österreich ist beispielsweise der übermäßige Verzehr von Wildschweinfleisch immer noch bedenklich.“ Litschauer weiter: „Die USA und leider auch viele europäische Länder verkaufen Atomenergie immer noch als wesentlichen Beitrag zur Energiewende. Tatsächlich steht Atomenergie auf dem energietechnischen Abstellgleis. Weltweite Uranvorräte werden in den kommenden Jahrzehnten verknappen. Der Uranabbau wird damit enorm CO2-intensiv. In Trockenperioden können viele AKWs (Anm. Atomkraftwerke) schon jetzt nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Damit steigt das Risiko für Nuklearkatastrophen enorm. Kühltürme europäischer Atomkraftwerke verdampfen jährlich viermal das gesamte Wasservolumen des Neusiedlersees. Fischpopulationen leiden unter der steigenden Wassertemperatur. Schaut so unsere Lösung gegen den Klimawandel aus?“

Litschauer abschließend: „Die Millionen an Euro für den Ausbau und Neubau von AKWs sollten lieber in akzeptable Lösungen für Atommüll-Endlager investiert werden. Dieses Problem ist nach wie vor ungelöst und wird den europäischen BürgerInnen noch einmal Millionen an Euro in den kommenden Jahrzehnten kosten.“ ​