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am 23. September

Ernst-Dziedzic/Nouripour: Das Leben von Nasrin Sotoudeh jetzt retten

Ewa Ernst-Dziedzic - Stimme der Preisträgerin für Menschenrechte darf nicht verstummen

Die iranische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh wurde Berichten iranischer Exilmedien zufolge am 43. Tag ihres Hungerstreiks auf die Intensivstation des Taleghani Krankenhauses gebracht. 
Die Sacharow-Preisträgerin, die zuletzt 2020 auch mit dem Menschenrechtspreis des deutschen Richterbundes ausgezeichnet wurde, sei kaum noch ansprechbar. Ihrem Ehemann sowie ihren Kindern wird der Besuch untersagt. In einem Interview gibt ihr Ehemann, Reza Khandan, bekannt, dass er lediglich kurz während der Verlegung Sotoudehs die Gelegenheit hatte sie zu sehen. Diese sei kaum noch ansprechbar gewesen. Seitdem wird der Familie der Kontakt untersagt. 
Nun wurde bekannt, dass Nasrin Sotoudeh einer Herz-Operation unterzogen werden soll. Dies sei bei ihrem derzeitigen Gesundheitszustand äußerst riskant. 

„Das iranische Regime wird zusehends skrupelloser, wenn es um die Beseitigung politischer Gefangener geht. Wir dürfen nicht zulassen, dass Nasrin Sotoudeh für immer verstummt. Wir werden nicht wegsehen und wir werden nicht schweigen, wenn der Iran Menschen, die sich für Ihre zivilen Grundrechte einsetzen, zu jahrelangen Haftstrafen und drakonischen körperlichen Bestrafungen verurteilt. Die Europäische Union sowie alle Staatsoberhäupter sind dringend aufgefordert zu handeln“, sagt die Menschenrechtssprecherin der Grünen Ewa Ernst-Dziedzic. 
In einem Schulterschluss fordert auch der außenpolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion in Deutschland, Omid Nouripour: „Die internationale Gemeinschaft ist dringend gefordert, Nasrin Sotoudeh, die ihr Leben für zu Unrecht inhaftierte Journalisten, Frauenrechtlerinnen, Jugendliche, Rechtsanwälte sowie religiöse Minderheiten und Umweltschützerinnen riskiert, zu unterstützen und sich für die Freilassung aller politischen Gefangenen einzusetzen.“

Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, dass der iranische Ringer Navid Afkari trotz internationaler Proteste hingerichtet wurde. Er hatte 2018 mit seinen Brüdern an Demonstrationen gegen die iranische Regierung teilgenommen. Zuvor wurde er unter Folter gezwungen Geständnisse abzulegen, um seine Verurteilung zu untermauern. Seine beiden Brüder erhielten Haftstrafen von 54 und 27 Jahren sowie je 74 Peitschenschlägen. 

Mit dem Hungerstreik protestiert Nasrin Sotoudeh gegen die Haftbedingungen im berüchtigten Evin Foltergefängnis, das völlig überbelegt ist. Zuletzt gab es Hafturlaube um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Politische Gefangene waren von dieser Maßnahme jedoch ausgenommen.​